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- Auch wir werden geprüft
Am 18. Juni fand unser diesjähriges DAkkS-Überwachungsaudit statt. Die dabei ausgesprochenen Feststellungen haben wir zum Anlass genommen, an verschiedenen Stellen nachzuschärfen.
Unter anderem haben wir unsere AGB und Zertifizierungsregeln überarbeitet, insbesondere hinsichtlich Vertragsbeendigung und Zertifikatsnutzung. Die Durchführungsbestimmungen zur AZAV-Trägerzulassung wurden unter anderem beim Thema Arbeitsorganisation und Schichtbetrieb ergänzt. Auditplanung und Rollenbeschreibung wurden präzisiert, die Aufwandskalkulation weiterentwickelt und der Evaluierungsplan um Datenschutz sowie eine differenziertere Betrachtung von Unterauftragnehmern ergänzt.
Auch Bewertungs- und Begründungsverfahren bei Maßnahmenzulassungen haben wir weiter systematisiert. Das Entscheidende daran ist für uns weniger die einzelne Änderung. Eine Zertifizierungsstelle, die andere Organisationen prüft, muss selbst prüfbar bleiben und aus Prüfungen lernen können.
Genau darin beginnt Prüfkultur auch bei uns selbst.

- Waage – der Gang in den Hades
In Denzingers siebter Station steigt Odysseus in die Unterwelt hinab. Die Waage sucht zunächst Harmonie und Schönheit. Ihre Täuschung entsteht dort, wo wir uns nur noch mit dem verbinden möchten, was uns gefällt, und das Störende, Fehlerhafte oder Unangenehme aus unserer Wahrnehmung verbannen.
Odysseus macht etwas anderes. Er steigt hinab. Er bekämpft die Schatten dort nicht. Er schaut hin, hört zu und gewinnt Erkenntnisse, die er für seinen weiteren Weg benötigt. Der Hades wird dadurch sogar zum Ort eines verborgenen Reichtums: Gerade das, was zunächst dunkel und störend erscheint, enthält wichtige Informationen.
Für unsere Vorstellung von Prüfkultur ist das ein starkes Bild. Prüfen bedeutet dann nicht zuerst: Wer hat etwas falsch gemacht? Interessanter wird die Frage: Was zeigt sich hier, wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen?
Eine Abweichung kann dadurch zum Ausgangspunkt von Erkenntnis werden. Voraussetzung ist allerdings, dass wir sie anschauen können, ohne sofort Schuldige zu suchen oder uns selbst zu verteidigen. Vielleicht liegt genau darin der Wert guter Prüfung: Sie bringt Licht an Stellen, an denen vorher etwas noch nicht sichtbar war.

- Wir ringen um dieselben Fragen wie unsere Kunden
Und genau deshalb möchten wir Prüfkultur nicht nur von unseren Kunden erwarten. Auch SocialCert verändert sich.
Unser Auditorenteam wird sich ändern. Vertraute Menschen beenden ihr Engagement zum Jahresende. Neue Kolleginnen und Kollegen bringen zusätzliche Erfahrungen und andere Perspektiven in die Audits ein. Zugleich setzen wir einen Generationenwechsel in unserer Administration um und verteilen Wissen und Verantwortung zunehmend auf neu Menschen. Das klingt zunächst nach einer internen Personalfrage.
Tatsächlich berührt es eine Frage, die uns in vielen Audits begegnet: Wie wird aus dem Wissen einzelner Menschen eine tragfähige Kompetenz der Organisation?
Damit verbunden sind weitere Fragen:
Wie viel Verantwortung können Menschen tatsächlich übernehmen?
Wie viel muss geregelt sein? Wo braucht es Vertrauen?
Wie bleiben Wissen und Erfahrung erhalten, wenn Positionen wechseln?
Und wie schaffen wir Strukturen, die Menschen tragen, ohne sie von ihrer eigenen Verantwortung zu entlasten?
Darauf haben auch wir keine endgültigen Antworten. Wir arbeiten daran. Und vielleicht ist genau das die gemeinsame Ebene zwischen SocialCert und den Organisationen, die wir prüfen:
Wir versuchen alle, Anforderungen so in lebendige Strukturen zu übersetzen, dass Menschen verantwortlich handeln können.
Für uns bedeutet Prüfkultur deshalb immer stärker, miteinander auf Wirklichkeit zu schauen: auf das, was bereits trägt, auf das, was noch nicht trägt – und auf das, was daraus entstehen kann.
Mit herbstlichen Grüßen
Stefan Ackermann
